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Katharina Knap



"Richard III" von William Shakespeare

Inszenierung: Matthias Fontheim
Rolle: Richard III

Premiere: am 3. Februar 2010
Zu den Spielplänen...

 


PHOTOS:

 






Foto: Bettina Müller


Foto: Bettina Mülle


Foto: Bettina Müller


KRITIKEN:

Rhein-Main-Net/Journal Frankfurt

...In der Inszenierung des Mainzer Intendanten Matthias Fontheim spielt ihn die Schauspielerin Katharina Knap als einen, der weder Mann noch Frau ist, sondern sich allen Rollenklischees widersetzt. Das macht er wortwitzig, verführerisch und scharfzüngig. Und auch wenn man in einem Moment denkt, was für ein hinterhältiges Aas, ist man ihm im nächsten schon wieder hoffnungslos ergeben. Dabei ist der Mann die nackte Bosheit, ein Arschloch, das alles hinwegschlachten lässt, nur um auf den Thron zu steigen. Doch die Schauspielerin Katharina Knap verkörpert ihn mit hinreißender Hinterlist und betörendem Größenwahn. Dabei steht sie oftmals einfach nur verschwörerisch grinsend da und bohrt helläugige Blicke ins Publikum.



Von Jens Frederiksen/Allgemeine Zeitung

...Dabei ist in Mainz genaues Hinsehen wichtig, denn es gibt ein ungewöhnliches Konzept zu bestaunen. Und dieses Konzept hat einen Namen: Katharina Knap. Sie nämlich ist es, die den skrupellosen Bösewicht Richard spielt - die Frau den Mann. Doch das geht in Ordnung. Denn sie verkleidet sich nicht einfach, gibt nicht den maskierten Menschenverächter mit präpariertem Klumpfuß und aufgeschnalltem Buckel. Nein: Schmal, klein, bubenhaft, ist sie der quicke Stegreifspieler, der mit Springteufelchen-Blick im Publikum nach Verbündeten sucht. Wie der Clown, der herzlos seiner Pointe nachspürt, berauscht sie sich allein am eigenen Witz.



von Shirin Sojitrawalla /Nachtkritik

Keine weiße Weste, nirgends

Mainz, 3. Februar 2010. Diesem Richard möchte man sich nicht entziehen. Zu wortwitzig ist er, zu unverschämt, zu verführerisch und zu scharfzüngig. Und auch wenn man in einem Moment denkt: was für ein hinterhältiges Aas!, ist man ihm im nächsten schon wieder hoffnungslos ergeben.
Dabei ist der Mann die nackte Bosheit, ein Arschloch vor dem Herrn, das alles hinwegschlachten lässt, nur um auf den Thron zu steigen. Doch die Schauspielerin Katharina Knap verkörpert ihn in Mainz mit hinreißender Hinterlist und betörendem Größenwahn, ist immer auch zielsicherer Wortfechter und hellwacher Anziehungspunkt. Dabei steht sie oftmals frech grinsend einfach nur da und bohrt helläugige Blicke ins Publikum.

Strategischer Strippenzieher-Streber
Spitzbübisch ist dieser Richard, koboldhaft und vieles mehr, wie es seine Rollenspielerei verlangt. Denn in erster Linie, vor aller Bösartigkeit noch, ist Richard III. ja ein überzeugender Schauspieler, der so gut ist, dass man nie weiß, wo das Spiel beginnt und wo es endet. Kurz: Der Mainzer Intendant und Regisseur Matthias Fontheim tat gut daran, Katharina Knap diese Titelrolle spielen zu lassen, auch wenn sich bestimmt manch ein männlicher Kollege gegrämt haben wird...



FNP-Kritik zu Richard III. Von Almuth Murawski

.....sah zunächst erstmal die Theaterwelt auf den Kopf gestellt: Die blutigste der Tyrannenrollen ist ausgerechnet mit einem anmutigen jungen Mädchen besetzt.
……Katharina Knap hockt als gefallener blonder Engel – vom Typ her beinahe an eine Viola oder Rosalinde erinnernd – finster und besudelt auf dem Thron, der diesmal aus schäbigen, gestapelten Plastikstühlen vom Baumarkt besteht und zum Aktionsfeld für eine erstaunliche und mutige darstellerische Leistung wird.


Text: F.A.Z., 05.02.2010, Nr. 30 / Seite 46

…..Intendant Matthias Fontheim zitiert nicht von ungefähr in einigen Szenen sehr witzig das soeben abgespielte Weihnachtsstück an seinem Haus: Sein Richard ist ein Peter Pan, ein kaltes Teufelskind mit heißem Herzen, verrückt und schillernd. Katharina Knap, helle Stimme, flink in der Bewegung, die Haare zum kurzen Jungenskopf geschnitten, ist die ideale Besetzung für eine solche Richard-Figur, kindlich-grausam und auch im Untergang noch leuchtend.


Alexandra Schröder RZO, Mittwoch, 3.1.2010

Eine Frau besteigt den Königsthron
Mainz Frau in Hosen: Skandaaaaal! Aufschreie solcher Art sind lang vorbei.

Dass aber die junge Schauspielerin Katharina Knap demnächst in einer Hosenrolle als Richard III. zu sehen ist, ist ungewöhnlich.

"Geld. Macht. Gier." lautet das Motto der Saison am Staatstheater. In großen Lettern sind die drei Worte auf das Spielzeitheft gedruckt, das in Purpur erstrahlt. Nahezu perfekt passt in diese Saison das Stück "Richard III." von William Shakespeare. Schließlich verhandelt der englische Theatermann in seinem Königsdrama von 1597 den blutigen Aufstieg des Herzogs von Gloucester.
Dieser ist intelligent, eiskalt und machtbesessen. Seine rhetorische Brillanz ist bemerkenswert. Sie macht ihn trotz seiner Missbildungen zum perfekten Verführer. Wer sich Richard vorstellt, der wird kaum jemanden wie Katharina Knap vor sich sehen. Sie ist jung, zierlich und sympathisch, von Missbildungen keine Spur. Trotzdem spielt die junge Schauspielerin in der Inszenierung von Matthias Fontheim die Titelrolle.
Das kommt einer Verkehrung historischer Tatsachen gleich, denn zu Shakespeares Lebzeiten wäre diese Wahl nicht möglich gewesen: Frauen auf der Bühne waren verpönt, sämtliche Rollen wurden von Männern gespielt. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts eroberten sie langsam die Bühne. Noch ein paar Jahre länger dauerte es, bis sie in Männerkleidung auftreten durften. Doch die Hosenrollen kamen in Mode, vor allem in Oper und Operette.
Dass das Geschlecht des Schauspielers oder des Sängers mit dem Geschlecht der Rolle oder Stimmlage übereinstimmt, ist eine moderne Erwartung. Diese Konvention wird von Intendant Fontheim gebrochen, auch wenn er nur zögerlich zugibt: "Gut, ein wenig fremd ist es sicher. Aber letztlich geht es doch darum, was man mit der Rolle erzählen will." Fontheim war der Fokus auf der Aggressivität Richards zu eindimensional. "Die Rolle ist vielschichtiger, und Katharina Knap hat das - als Schauspielerin und Person."
Den Theaterleuten zufolge haben Richard und die Gesellschaft, in der er lebt, moderne Züge. Denn im Grunde geht es um die Triebhaftigkeit menschlicher Machtkämpfe. "Richards Gesellschaft ist von Egoismus gekennzeichnet: Wer kommt mit welchen Methoden am weitesten? Eine aufgeklärte Gesellschaft hat nur etwas subtilere Methoden. Richard ist für uns eine Projektionsfläche. Karriere machen will jeder, die Frage ist nur, wie weit man dafür geht", erklärt Chefdramaturgin Marie Rötzer und fügt in Hinblick auf die ungewöhnliche Besetzung noch an: "Und Machtmissbrauch ist nicht geschlechtsspezifisch."
Knap kann da nur zustimmen nicken. "Die Rolle ist ein Geschenk. Ich glaube, mein erster Kommentar war: gute Entscheidung." Dass sie den Zuschauer so mitziehen kann, dass der nicht mehr Katharina Knap, sondern nur noch Richard III. vor sich sieht, daran hat sie keine Zweifel. Schließlich ist auf dem Theater alles eine Behauptung, warum also nicht auch das eigene Geschlecht. Die Abstraktion gelingt ihr selbst zumindest sehr gut: "In den Proben habe ich total vergessen, dass ich eine Frau bin." Einen Unterschied hat sie in der Vorbereitung aber doch bemerkt: Viel hat sie recherchiert, Wochen lang das Internet durchforstet und Stammbäume angeguckt, um die ganzen Querverweise zu den anderen Königsdramen Shakespeares zu verstehen. Aber: "Man muss in sich selbst reingucken: Wo steckt das Böse in mir? Das muss man dann nachvollziehbar machen."
Was Knap bei dieser Innenschau gefunden hat, ist ab dem 3. Februar im Großen Haus zu sehen.



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